Herzlich Willkommen!

Das Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik begrüßt Sie und Euch ganz herzlich auf unseren Internetseiten.

Das Netzwerk gibt es schon seit 1995. Aber auch heute noch, nach der breiten Einführung vorgeburtlicher Diagnostik, konfrontiert uns diese Technik immer wieder mit grundlegenden Fragen, bedingt neue Unsicherheiten und fordert zu gesellschaftlichen Diskussionen heraus.

Mit unseren Seiten wollen wir Anstoß für eine kritische Auseinandersetzung geben.

Hier finden Sie Informationen und Beiträge zu den wichtigsten Themen rund um Pränataldiagnostik und zu den neuen Medizintechniken.

Zu jedem Schwerpunktthema gibt es einige grundlegende Infos und bei Interesse weitere Angaben zur Vertiefung.

Die Diskussionen im Netzwerk können Sie in den Rundbriefen nachlesen. Auch Stellungnahmen, Informationen über Aktionen und Aktivitäten des Netzwerks finden Sie auf diesen Seiten. 

Jahrestagung 2016: Nur Mut - Unbequeme Standpunkte zur Präntaldiagnostik

Unsere nächste Jahrestagung wird vom 17. bis 19. Juni 2016 wieder in Bremen stattfinden. Tagesgäste am 18.6. sind herzlich willkommen. 

 

Wir werden uns mit mehreren kontroversen Themen beschäftigen: Ein Schwerpunkt wird die Information und Diskussion über die pro life-Bewegung und die unterschiedlichen Diskussionsstränge innerhalb der pro choice-Bewegung sein. In den Arbeitsgruppen spannen wir den Bogen von grundsätzlichen Fragen zur Körperpolitik über Möglichkeiten der Kritik trotz Etablierung der PND bis zur Frage aktueller Zahlen, eigener Beteiligung und neuester Entwicklungen in der Pränataldiagnostik.

Wie gehen wir in unseren Arbeitsfeldern, innerhalb der gesellschaftlichen Debatten, aber auch persönlich mit diesen Veränderungen um? Müssen wir andere politische Forderungen stellen?

 

Hier finden sie das  Programm.


Bitte laden Sie sich das Anmeldeformular herunter, füllen es aus und schicken es als Anhang an Netzwerk2016@web.de

 

Weitere Auskünfte erhalten sie am liebsten auch per mail, ansonsten bei der Beratungsstelle Cara unter 0421 591154.

Hier finden sie nähere Infos zu den Arbeitsgruppen am Samstagnachmittag:

 

Nichtinvasive Pränataldiagnostik - Politik des Marktes und einer ableistischen Gesellschaft

Nur ein Tropfen Blut der Mutter genügt - dann gibt es Sicherheit und ein "gesundes" Baby. Mit solchen Versprechen werben Pharmafirmen derzeit für nichtinvasive Bluttests wie z.B. den Praena-Test oder den Harmony-Test. In vielen gynäkologischen Praxen gehören sie bereits zum Standardangebot in der Schwangerenvorsorge, auch wenn die Kosten noch von den Eltern getragen werden müssen. Deren Bedürfnis nach Absicherung ist groß, schließlich finden Schwangerschaft und Geburt in einer Gesellschaft statt, in der der Zwang zum normativen Funktionieren und Aussehen ungebrochen groß ist. Trotz Inklusion und zunehmender Akzeptanz behinderter Menschen ist ein eigenes Kind mit Behinderung für die meisten nicht vorstellbar. Woher diese Ängste vor Behinderung kommen, was sie mit "Ableismus" zu tun haben - der Bewertung von Menschen einzig nach ihren Fähigkeiten - und wie sie ein Motor werden für den neuen Markt des selektiven vorgeburtlichen Screenings, möchten wir in unserer AG diskutieren.

Wir, das sind Uta Wagenmann, Soziologin und Aktivistin beim Gen-ethischen Netzwerk, und Rebecca Maskos, Disability Studies-Forscherin an der Hochschule Bremen und Aktivistin der Behindertenbewegung.

 

Körperpolitik - Wer entscheidet für wen?                                                                                               Im Rahmen dieser Arbeitsgruppe werden die Ergebnisse verschiedener Forschungsarbeiten von Studierenden der Universität Bremen vorgestellt. Sie wurden bzw. werden im Rahmen eines seit 2014 fortlaufend angebotenen Seminars zu Janna Wolffs Forschungsprojekt "Körperpolitik - Politische Steuerung von Leben und Tod" erarbeitet und befassen sich mit ganz unterschiedlichen Fragen. Neben einem Verleich in Bezug auf den Einsatz und die Kostenübernahme pränataldiagnostischer Maßnahmen mit europäischen Nachbarstaaten, sind inhaltliche Analysen der Marketingstrategien der Herstellerfirmen für die sogenannten Frühtests in Arbeit sowie qualitative und quantitative Interviews und Umfragen unter Bremer Gynäkologen / Gynäkologinnen, Pränataldiagnostikern, Schwangeren und Bremer Studierenden rund um das Thema Pränataldiagnostik. Nicht alle Erhebungen werden im Juni vollständig ausgewertet und abgeschlossen sein, aber sicherlich liefern auch Zwischenberichte erste Einschätzungen aktueller Entwicklungen und viele Ansatzpunkte für Diskussionen.  

Dr. Janna Wolff, Politikwissenschaftlerin, Universität Bremen und Studierende

 

Umgang werdender Väter mit einem positiven pränatalen Befund - Behinderung im Horizont hegemonialer Männlichkeit                                                                                                                   Wenn über Pränataldiagnostik diskutiert wird, dann nur selten aus der Perspektive der werdenden Väter. Sie sind aus der Entscheidungsfrage, ob die Schwangerschaft fortgeführt oder beendet werden soll, juristisch ausgeklammert und spielen als Partner der schwangeren Frau in der Regel eine untergeordnete Rolle. Dabei bleibt oft unberücksichtigt, dass ein positiver pränataler Befund ein Ereignis ist, das beide Elternteile betrifft und eine gemeinsame Entscheidungsfindung erfordert. Werdende Väter haben teilweise spezifische Sorgen und Ängste, die ihre Erwartungen in Bezug auf die Partnerschaft, ihre Rolle als fürsorglicher Vater und Ernährer der Familie betreffen. Diese sind von mehrheitsgesellschaftlichen Vorstellungen über Männlichkeit geprägt und können unter Berücksichtigung der juristischen Vorrangstellung der Frau in der Entscheidungsfrage eine besondere Herausforderung darstellen. Daher sollen in der AG Erfahrungen mit werdenden Vätern diskutiert und Ideen entwickelt werden, wie Väter in der Beratung besser berücksichtigt und unterstützt werden können.

Anika Wehling, Studentin der Rehabilitationswissenschaften an der TU Dortmund und arbeitet zur Zeit an ihrer Masterarbeit, in der es um Männer im Kontext von Pränataldiagnostik geht.

 

Öl oder Sand im Getriebe sein?

Politisch können wir uns klar positionieren zur Pränataldiagnostik und ihren gesellschaftlichen Auswirkungen. In der konkreten Beratungssituation haben wir Verständnis für die persönlichen Sorgen und individuellen Entscheidungen einer Patientin oder Klientin - manchmal auch nicht. Wir sind verpflichtet professionell und auch empathisch mit Lebensentwürfen und Entscheidungen umzugehen, die unseren persönlichen Einstellungen widersprechen.

Wie weit können wir in unserem beruflichen Alltag die Positionen des Netzwerkes vertreten - sei es in der individuellen Beratung oder auch in unseren Verbänden. Wie bekommen wir diesen Spagat hin - wo verraten wir unsere Überzeugung - wo sind unsere Grenzen?

Wir wollen den Rahmen der Gruppenarbeit nutzen unseren persönlichen Umgang mit diesen Konflikten im beruflichen Alltag zu reflektieren.

Silke Koppermann, Frauenärztin und Netzwerksprecherin, Hamburg 

 

Zählen Zahlen? - Welche Zahlen zur Pränataldiagnostik haben wir in Deutschland, welche brauchen bzw. wollen wir?

Wieso haben die gemeldeten Schwangerschaftsabbrüche nach medizinisch-sozialer Indikation nicht zugenommen, obwohl immer mehr Pränataldiagnostik angewandt wird? Wieso gibt es so unterschiedliche Angaben zur Häufigkeit angeborener Erkrankungen, Chromosomenanomalien oder Fehlbildungen? Seit Jahren/Jahrzehnten wird immer wieder behauptet, dass 90% der vorgeburtlich erkannten Down-Syndrom-Kinder abgetrieben werden. Was ist dran an der Behauptung und worauf beruht sie?

Zunächst geht es darum, welche Zahlen zur Pränataldiagnostik und Geburtshilfe in Deutschland und Europa erhoben werden und wie bzw. wie wenig repräsentativ sie sind. Danach wollen wir mit euch diskutieren: Wie sind solche Zahlen einzuordnen? Wie werden sie politisch benutzt? Welche Relevanz haben sie für die Kritik an Pränataldiagnostik und deren Kommunikation nach Außen? Brauchen wir differenziertere Zahlen, um die "exklusiven" Auswirkungen von PND deutlicher zu machen? Wäre das eine Forderung an die Politik, die Erfassung zu verändern? Oder verzichten wir bewusst auf den Umgang mit z.B. Schwangerschaftsabbruchraten, weil wir grundsätzlich eine Selektion durch PND ablehnen?

Margret Heider und Dr. Eva Schindele, Bremen


Alles Selbstbestimmt: Funktionieren. Kontrollieren. Optimieren

Hier finden Sie die Dokumentation unserer Jahrestagung 2015 „Alles Selbstbestimmt: Funktionieren. Kontrollieren. Optimieren“ in Bremen, die nach unserer Auffassung einen interessanten und produktiven Verlauf nahm. Wir hoffen, dass die Dokumentation zu einer vertieften Auseinandersetzung mit den Anliegen des Netzwerks beiträgt und uns gemeinsam zu weiteren Initiativen ermutigt.

 

Printexemplare gegen ein Versandentgelt von 5 Euro (Bestellung von drei und mehr Exemplaren: 10 Euro) erhalten Sie unter:  SprecherInnen.netzwerk-pnd@t-online.de 

Die SprecherInnen: Beate Abert − Petra Blankenstein  –  Silke Koppermann   –  Harry  Kunz